Jahreskreisfest Lughnasadh: Dankbarkeit, Fülle & der Beginn des Loslassens
Rituale, Kräuter & Bedeutung dieser Zeit – so feierst du das erste von drei Erntefesten im Jahreskreis bewusst.
Wenn der Sommer sich leise zu wenden beginnt
Der Sommer ist zwar da, aber wenn du genau hinhörst, merkst du, dass sich etwas verändert. Die Tage werden kürzer, die Nächte frischer. Genau hier, am Übergang, liegt ein Fest, das oft übersehen wird – Lughnasadh (sprich: Lu-na-sa), auch Lammas oder Schnitterfest genannt.
Für mich ist es eins der ehrlichsten Jahreskreisfeste: Dankbar zurückblicken, die Fülle feiern und gleichzeitig anerkennen, dass der Zyklus sich weiterdreht. Die Felder sind golden, das Korn ist reif und mitten in dieser Fülle liegt schon der erste Hauch von Abschied. Lughnasadh macht kein Drama daraus, es sagt dir einfach: Schau hin, was gewachsen ist, ernte es und dann lass das Rad sich weiterdrehen.
Wie alle anderen Jahreskreisfeste, holt dich auch dieses Fest zurück in die natürlichen Zyklen. Es erinnert dich daran, dass Ernten und Loslassen kein Widerspruch sind, sondern zwei Seiten derselben Bewegung. Lughnasadh fragt dich: Was hast du gesät? Was darfst du jetzt einsammeln? Und was darf gehen?
Lass uns eintauchen: Was steckt hinter diesem Fest, welche alten Geschichten erzählen davon und wie kannst du Lughnasadh heute für dich feiern, mitten in deinem Alltag?
Ursprung & Mythologie – Lugh, Lammas & das erste Brot
Lughnasadh ist das erste der drei Erntefeste (Lughnasadh, Mabon und Samhain) und markiert den Beginn der Erntezeit. Traditionell wurde genau jetzt das erste Brot aus der neuen Ernte gebacken und geweiht. Daher auch der Name Lammas, der vom frühenglischen Wort „hlafmaesse“ abstammt – „Laibmesse“.
Der Name Lughnasadh geht zurück auf den keltischen Gott Lugh, den Licht- und Sonnengott. Er galt als Meister vieler Künste: Handwerk, Musik, Dichtung und er war Beschützer der Ernte. Ihm zu Ehren wurden Spiele, Wettkämpfe und große Gemeinschaftsfeste abgehalten. Es wurde gegessen, getanzt, Feuer entzündet und gleichzeitig war es ein zutiefst spirituelles Fest, verbunden mit Danksagungen an die Erde und Schutzritualen für die kommende Zeit.
Gefeiert wird Lughnasadh traditionell um den 1. August oder zum 8. Vollmond nach Yule (in 2026 der 29. Juli)
Dieser Übergang passiert nicht an einem Tag. Das heißt, wann du das Fest genau zelebrierst, bleibt schlussendlich dir überlassen.

Was du jetzt zu Lughnasadh genau feierst
- Deine Ernte & deine Schritte – Was ist seit Jahresbeginn gewachsen, im Außen und in dir? Das darf jetzt gesehen und gewürdigt werden.
- Dankbarkeit für die Fülle, die schon da ist – Nicht das, was noch fehlt, sondern das, was bereits reif ist.
- Den Übergang – Während die Sonne noch wärmt, spürst du schon das nahende Drehen des Rads. Beides darf gleichzeitig da sein.
- Das Loslassen als Teil des Zyklus – Ernten heißt auch: schneiden, beenden, Platz machen für Neues.
- Gemeinschaft & Teilen – Brot brechen, zusammen essen, die Fülle nicht horten, sondern weitergeben.
Deine Reise durch die Jahreskreisfeste!
Lughnasadh ist nur ein Teil des großen Ganzen – jedes Jahreskreisfest bringt seine eigene Magie und Rituale mit. In meinem Onlinekurs begleite ich dich durch alle acht Feste: mit Yoga, Meditationen, Ritualen, Kräutern, Rezepten, Journaling und praktischen Impulsen, um die Energie der Natur bewusst zu nutzen.
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Die Zeitqualität von Lughnasadh – ein Mondfest
Lughnasadh gehört wie Imbolc, Beltane und Samhain zu den Mondfesten im Jahreskreis. Es liegt nicht exakt auf einer Sonnenwende oder Tagundnachtgleiche, sondern genau dazwischen – mitten zwischen Sommersonnwende (Litha) und Herbst-Tagundnachtgleiche (Mabon). Eine Zeit, in der das Rad des Jahres subtil seine Richtung ändert.
Mondfeste tragen eine innere, intuitive Energie: Während Sonnenfeste (wie Litha oder Yule) eher nach außen gerichtet und sichtbar sind, laden Mondfeste dazu ein, nach innen zu spüren. Sie erinnern uns daran, dass Wandlung zuerst im Inneren beginnt.

Wildkräuter & Pflanzenkraft – die Ernte der grünen Apotheke
Die Natur schenkt jetzt aus dem Vollen. Kräuter und Pflanzen, die zu Lughnasadh besondere Kraft haben:
- Beifuß – schützt, reinigt und stärkt die Intuition (klassisch zum Räuchern).
- Johanniskraut – Lichtpflanze, gibt Wärme & Schutz für die dunkleren Monate.
- Rosmarin & Thymian – stärkend, reinigend, perfekt für Räuchermischungen.
- Getreide, Kornblumen, Ringelblumen – Symbole für Ernte und Fülle.
Ätherische Öle für dein Ritual:
- Rosmarin – Klarheit, Fokus und Erdung.
- Orange oder Mandarine – Lebensfreude und Fülle.
- Zedernholz – Schutz, Wurzeln, Verbindung zur Erde.
Nutze sie einzeln oder mische ein paar Tropfen in ein Pflanzenöl für eine Fuß- oder Handmassage vor deinem Ritual.

Warum Lughnasadh heute so wichtig ist
Wir sind oft schon mit dem Kopf beim nächsten Ziel, bevor das letzte überhaupt gewürdigt wurde. Lughnasadh ruft dich zurück ins Jetzt: Schau hin, was schon da ist. Feiere dich und dein Wachstum.
Für mich verbindet Lughnasadh die Essenz des Yoga und der Naturspiritualität: im Moment sein, Dankbarkeit üben, sowie im Kreislauf von Wachsen, Reifen und Loslassen leben. Du bist Teil eines größeren Rhythmus – verbunden mit der Erde, dem Himmel und allen Zyklen dazwischen.
Lughnasadh bewusst zu feiern hilft dir:
- den Übergang in die dunklere Jahreszeit bewusst und kraftvoll zu gestalten
- deine Erfolge und Schritte wirklich zu sehen, statt sie zu überspringen
- Dankbarkeit als Haltung zu üben, nicht als Pflichtübung
- zu erkennen, was reif ist und was du loslassen darfst
- dich mit dem natürlichen Rhythmus von Fülle und Rückzug zu verbinden

So kannst du Lughnasadh feiern
Du musst kein großes Fest ausrichten, oft reicht ein bewusstes Innehalten.
Dankbarkeits-Ritual – Schreibe auf, wofür du dankbar bist: Welche „Früchte“ hast du dieses Jahr schon geerntet? Welche Schritte bist du gegangen? Spüre bewusst in dieses Gefühl hinein.
Brot backen oder gemeinsam essen – Back ein Brot (klassisch: mit Korn oder Hafer) und segne es, bevor du es teilst. Oder lade Freund:innen ein und feiert mit einem einfachen Erntemahl aus Wildkräutern & Co. draußen.
Feuer & Rauch – Entzünde ein Feuer oder eine Kerze. Räuchere mit Beifuß oder Johanniskraut und lass dabei alles los, was du nicht mit in den Herbst tragen willst.
Kräuter sammeln & bündeln – Sammle jetzt Blüten und Kräuter wie Ringelblume, Kamille, Johanniskraut, Beifuß oder das, was gerade bei dir wächst und binde sie zu einem Kräuterstrauß. Du kannst ihn trocknen, als Naturschmuck verwenden oder auch später zum Räuchern (insofern du Kräuter verwendest, die sich zum Räuchern eignen).
Meditation oder Yoga draußen – Leg dich in die Wiese, atme tief und spüre die Wärme des Sommers. Lass dir bewusst Zeit für Verbindung – mit dir, der Natur und der Fülle um dich herum.
Balance mit Yoga: Dein Körper will bewegt werden. Mit Yoga bringst du deine Energie wunderbar ins fließen. Du findest eine Auswahl auf meinem YouTube Kanal, wie zB. diese sanften 15 Minuten zum Loslassen & Neuausrichten.
Reflexionsfragen für deinen persönlichen Zugang
Lughnasadh ist auch eine Zeit der inneren Ernte. Nimm dir einen Moment für diese Fragen:
- Was habe ich in diesem Jahr gesät und was davon ist aufgegangen?
- Welche „Früchte“ darf ich jetzt ernten und würdigen?
- Wofür bin ich gerade zutiefst dankbar?
- Was darf mit der Ernte enden, damit Neues Platz hat?
- Was will ich mit in den Herbst nehmen und was bewusst nicht?
Diese Fragen sind keine Checkliste, lass sie einfach mal da sein – bei einer bewussten Tasse Tee, beim Spaziergang oder in einem Ritual.

Von Lughnasadh zum Frauendreißiger – die Erntezeit geht weiter
Direkt nach Lughnasadh öffnet sich eine weitere besondere Phase im Jahresrad: der Frauendreißiger. Diese 30-tägige Zeitspanne beginnt am 15. August (Mariä Himmelfahrt) und endet um den 12./13. September (Mariä Namen / Mariä Geburt).
Während Lughnasadh stark von der keltischen Tradition geprägt ist, wurzelt der Frauendreißiger im bäuerlich-christlichen Brauchtum – beide teilen jedoch die gleiche Essenz: Dankbarkeit für die Ernte und die Heilkraft der Natur.
In alten Überlieferungen heißt es, dass die Kräuter im Frauendreißiger ihre stärkste Heilkraft tragen. Deshalb ist dies die klassische Zeit, um Kräuterbuschen zu binden, sie zu weihen (in der Kirche oder in eigenen Ritualen) und für das kommende Jahr als Schutz und Heilmittel aufzubewahren.
Typische Kräuter im Frauendreißiger
Traditionell bindet man 7, 9 oder 12 Kräuter (manchmal auch mehr). Besonders typische Pflanzen für diese Zeit sind:
- Beifuß – Schutz, Reinigung, Räucherungen
- Johanniskraut – Lichtpflanze, Wärmespenderin für den Winter
- Rainfarn – Schutzpflanze, wirkt abwehrend gegen „Negatives“
- Schafgarbe – heilend, ausgleichend, besonders für Frauen
- Wermut – Reinigung, Transformation, alte Schutzpflanze
- Kamille – Heilung, Beruhigung, Haussegen
- Minze – Klärung, Frische, Atemkraft
- Thymian – Schutz, Immunsystem, Reinigung
- Kornblumen / Getreideähren – Verbindung zur Ernte und Fülle
Hinweis: Sammle nur das, was du erkennst und was in deiner Umgebung reichlich wächst. Du kannst deinen Buschen auch intuitiv mit Lieblingspflanzen füllen.
Du kannst also nach Lughnasadh weitermachen, Kräuter sammeln und deine eigenen kleinen Rituale gestalten: Dankbarkeit, Segnung und Bewahrung der Sommerkraft für die dunklere Jahreszeit.

Lughnasadh im Alltag leben
Ein Ritual ist ein Anfang, kein Abschluss. Die Erntezeit ist nicht vorbei, wenn die Kerze ausgeht. Diese Energie – die Dankbarkeit, das bewusste Hinschauen, das Würdigen dessen, was gewachsen ist – die darf in deinen Alltag mitgenommen werden. Zum Beispiel der Blick über das, was du dieses Jahr geschafft hast, ohne gleich zum Nächsten zu hetzen oder oder der Strauß Wiesenkräuter auf dem Küchentisch.
Vielleicht probierst du dich im Brot backen, vielleicht sammelst du Kräuter, vielleicht sitzt du einfach barfuß im Gras. Was auch immer es ist – mach es bewusst. Das ist das Herz des Rituals. Das Jahresrad dreht sich weiter, aber die Fülle, die du heute geerntet hast, trägst du mit.
Ich wünsche dir eine wunderbare Lughnasadh-Zeit, Aho.
Hinweis: Ich arbeite mit dem modernen Jahreskreis aus acht Festen, der im 20. Jahrhundert systematisiert wurde und auf keltischen sowie naturspirituellen Wurzeln basiert. Für mich steht dabei weniger die historische Rekonstruktion im Vordergrund, sondern die zyklische Erfahrung von Natur, Körper und Archetypen.
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Das Jahreskreisfest Lughnasadh ist nur eines von acht kraftvollen Festen, die uns durch den Zyklus von Natur, Licht und Dunkelheit führen. Jedes Fest hat seine eigene Magie, seine Themen und Rituale und gemeinsam erzählen sie die Geschichte unseres inneren und äußeren Wandels.
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